„send their love to me“ – feminismus song_schreiben lernen, part I

dass 99,99% aller liebeslieder hetero_normativ sind, regt uns auf. wir fühlen uns davon nicht
angesprochen. lebens- und liebesrealitäten jenseits der heteronorm werden unsichtbar gemacht, während HETERO immer wieder als einzig erstrebenswerte lebensform propagiert wird ohne diese norm je zu benennen oder zu hinterfragen.

da wir sowohl hetero als auch hetero_zweier_liebeskonzepte inf_RAGE stellen, möchten wir musik hören_machen, die unseren wünschen und vorstellungen sowie unserer kritik gerecht wird.
eine praxis, diese immer wiederkehrenden hetero_zweier_liebes_strukturen aufzubrechen, ist das UMSCHREIBEN bereits vorhandener lovesongs.

wie liest sich z. b. ein songtext, in dem jedes „man“ durch ein „BUTCH“ (butch-lesbe) ersetzt wird? wie hört sich der song an, wenn die sprechposition ihrer heterosexualität enthoben wird und die angesprochene person von ihrem heterodasein befreit wird?

„when i wake up, well i know i’m gonna be
i’m gonna be the butch who wakes up next to you
when i go out, yeah i know i’m gonna be
i’m gonna be the butch who goes along with you
if i get drunk, well i know i’m gonna be
i’m gonna be the butch who gets drunk next to you
and if i haver, hey i know i’m gonna be
i’m gonna be the butch who’s havering to you“
(nach der typenband the proclaimers, 500 miles)

viele bands ändern beim covern von songs das original-pronomen, um in der coverversion die eigene heteroposition zu betonen. aus einem guns n roses song „i used to love her“ wird dann schnell ein heteronormatives „i used to love him“, sobald eine frauisierte es singt. dabei kann das ersetzen von pronomen so viel produktiver sein.
ersetze z. b. jedes „he“ oder „she“ durch das geschlechtsneutrale „they“. im englischen kann dieses „singular they“ verwendet werden, um das geschlecht der angesprochenen person unbestimmt zu lassen oder auch um gezielt menschen anzusprechen, die sich nicht in die heteronormative zweigeschlechterbinarität einordnen (lassen) wollen_können. wie würde sich z. b. pj harveys „send his love to me“ anhören?

„oh, wind and rain they haunt me
look to the north and pray
send me, please, their kisses
send them home today

i’m begging, jesus, please
send their love to me“

in diesem fall ist interessant, wie mithilfe des ersetzens aller männlichen pronomen durch „they“, welches im song(kon)text nicht näher bestimmt wird, teile des songs auch entsexualisiert und entromantisiert gelesen_gehört werden können. pj könnte im refrain also auch von freund_innen singen. die grenze zwischen singular und plural wird verwischt, die hetero_zweier_paar_sehnsucht_romantik wird zerschmettert.

das austauschen einzelner schlüsselwörter ist eine produktive praxis, wenn es darum geht, romantisch_sehnsüchtige hetensongs umzuchreiben. der subversiven kreativität sind keine grenzen gesetzt. ein liebeslied kann zu einem hasslied werden, ein sexualisiertes liebeslied kann a_romantischen bedürfnissen angepasst werden. der ständig durch musik propagierten (zwangs)heterosexualität kann auf vielfältige art und weise der spiegel vorgehalten werden. das tolle an vielen songs ist, dass sie imgrunde viele leerstellen haben und viel interpretationsraum schaffen. warum also nicht diese leerstellen als räume jenseits der heteromatrix beanspruchen?

beim umschreiben und performen von songs/songtexten ist es allerdings wichtig, über die eigene sprecher_innenposition nachzudenken und zu überlegen: was will ich kritisieren? wo profitiere ich möglicherweise von heteronormativen strukturen und wo nicht? eigene ich mir widerständige praxen an und handle damit nicht gerade verantwortungsvoll_kritisch?

wir schlagen außerdem vor, songs zu schreiben, die gar nichts mit romantischer zweier_liebe zu tun haben. liebe wird nämlich oft überbewertet. freut euch also auf weitere teile der reihe „feminismus song_schreiben lernen“.

Advertisements