make music not love is for lovers of…

sk-lovers„sleater-kinney is for lovers“ – dieser spruch ist auf dem offiziellen bandshirt zu lesen, das sleater-kinneys plattenlabel „kill rock stars“ seit jahren vertreibt. seit letzter woche präsentiert KRS auf facebook das t-shirt als super idee zum valentinstag. es macht mich so wütend.

aber was ist denn so schlimm an dem t-shirt?

der „sleater-kinney is for lovers“-aufdruck ist wieder ein beispiel dafür, wie musik liebe „macht”, erschafft, generiert. warum wird die musik meiner lieblingsband an vorstellungen von paarbeziehungen und romantischer (hetero)liebe geknüpft? soll ich mit einer anderen person zusammen sleater-kinney hören und diesen moment romantisieren? ist_spielt sleater-kinney dann überhaupt für mich als person ohne romantische beziehung_en?

sleater-kinney haben tatsächlich songs über liebe und beziehungen geschrieben. sie singen über lesbische beziehungen, trennungen, schmerzvoll beendete beziehungen, gewaltbeziehungen. aber mir fällt auch nur ein einziger song ein, der zur botschaft des t-shirts passen würde: „oh!“ auf dem album „one beat“.
in meinen augen machen sleater-kinney aber hautsächlich musik gegen typenbands, spielen empowernde songs für musiker_innen, sie machen nicht-hetero beziehunen sicht- und hörbar, stellen hetero(sex) infrage und orientieren sich außerdem musikalisch nicht_kaum an typenbands_rockstars, was sie auch in ihren songtexten thematisieren.

ich will nicht, dass eine band, die mir aus den oben genannten gründen so wichtig ist, für die verbreitung normativer vorstellungen von liebe_romantik_beziehungen benutzt wird.

wie sleater-kinney über beziehungen singen:

lyrics:

This song, your song is the last song I’ll ever do
About you, for me ‚cause your games are through
I won’t think, I won’t breathe, I won’t even close my eyes to dream
I need you out of me before I turn into you

You said this would be, the last time you’d ever hurt me
You said this would be the last time I’d ever cry
Last time I didn’t know, how was I supposed to know
This time I found it, I know how to scream

I don’t owe you anything
I’m not a part of you
You can’t take away everything
I’m not a part of you

[…]

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MAKE MUSIC NOT LOVE – über be_deutungen von ‚liebe‘ und musik_machen

diesen artikel hat make music not love für die zweite ausgabe des zines „wer ‚a‘ sagt, muss nicht ‚b‘ sagen“ geschrieben, welches in kürze erscheinen wird.
mehr infos über das „sexpositive zine über a_sexualität“ findet ihr hier: http://asexyqueer.blogsport.de/

über be_deutungen von ‚liebe‘ und musik_machen

ich habe mit einigen meiner band_freundinnen eine vorliebe dafür, sprüche und slogans, die es schon gibt, zu verändern, so dass sie unseren feministischen ansichten gerecht werden. dabei geht es häufig um das kritische hinterfragen von normen. auch jenen, die in feministischen kontexten nicht immer hinterfragt werden. so änderten wir beispielsweise den spruch „have sex, hate sexism“ in „hate sex, hate sexism“. was fällt menschen eigentlich ein, andere aufzufordern, sex zu haben? welche_r versteht was unter sex und warum wird so häufig davon ausgegangen, dass alle sex haben_wollen_können?

MAKE MUSIC NOT LOVE ist eine abwandlung des anti-kriegs-slogans „make love, not war“ der 1960er jahre. „freie liebe“ als gegenkonzept zur rigiden bürgerlichen sexualmoral stand für viele typisierte* jedoch häufig einfach dafür mit vielen frauisierten* sex zu haben, was in dem bekannten spruch „wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum establishment“ zum ausdruck kommt. hier wird deutlich: es geht um heterosex und es geht darum, sich aus typisierter perspektive eine frauisierte zu „nehmen“ und danach die nächste. objektifizierende sexistische kackscheiße nennt eine sowas. patriarchat, dominanz von typisierten und heteronorm prägte auch zu dieser zeit politgruppen, wohnprojekte und künstler_innenkollektive. MAKE MUSIC NOT LOVE musste also den mehr als problematischen spruch folgendermaßen umschreiben: „welche zweimal mit derselben spielt, hat schon eine band formiert“!

das LOVE in MAKE MUSIC NOT LOVE bezieht sich also einerseits auf den sexnormativen aufruf zum „liebe machen“ (im sinne von sex haben). gleichzeitig bezieht sich das LOVE auch auf hetero_romantische_zweier_liebes_beziehungs_konzepte, also auf ein gesellschaftlich vorherrschendes liebesideal. es ist eine idee von liebe, die sich historisch herausgebildet hat und nicht schon immer einfach so da gewesen ist. diese idee von liebe – oft als dominantes bürgerliches liebesideal bezeichnet – ist in den meisten fällen auf ein gegenseitiges begehren von typisierten und frauisierten bezogen. voraussetzung dafür ist die annahme, dass es nur frauisierte und typisierte gibt und dass vollkommen klar ist, was „mann“ und „frau“ ausmacht. diese zusammenhänge unhinterfragt vorauszusetzen und als „normal“ zu begreifen, das bedeutet zutiefst im heteronormativen sumpf zu stecken und es gar nicht zu bemerken. manchmal wird mit evolution argumentiert, mit der „natur“ des menschen, mit dem verhalten von tieren oder dem aufbau von gehirnen. „fortpflanzung“ als begründungszusammenhang ist in den meisten argumentationen auch immer ganz vorne mit dabei. es wird sich selten damit auseinandergesetzt, dass die idee von der romantischen hetero_liebe und ihre vielfältigen naturalisierungsversuche noch gar nicht so alt ist. die liebe ist durch und durch ein kulturelles produkt. und nicht wenige menschen können und_oder wollen überhaupt nichts mit diesem liebeskonzept anfangen.

nun ist es leider so, dass unglaublich viele song von romantischen_hetero_sex_zweier_liebes_beziehungen handeln. das heißt, sie tragen dazu bei, vorstellungen darüber zu entwickeln, was „LOVE“ sei. musik(_videos_performances_coverbilder) sind also daran beteiligt, ideen von „LOVE“ zu erzeugen. musik macht liebe. wir wollen allerdings nicht, dass musik liebe macht! jedenfalls nicht „liebe“ im sinne eines normativen liebesideals und_oder im sinne von „wir müssen alle sex haben_wollen“.

musik spiegelt nicht einfach nur bereits vorhandene gefühlswelten wider, sondern produziert sehnsüchte und schafft w_orte_klänge um ein vielfältig-komplexes unspezifisches empfinden gemäß ideologischer prämissen in ein korsett zu schnüren und allen vor die füße zu kotzen. ob sie wollen oder nicht.
ein beispiel: mag ja sein, dass manche menschen eine körperlich reaktion empfinden, wenn sie eine bestimmte person sehen oder diese ihnen näher kommt, zum beispiel, dass ihr herz schneller schlägt. so. das könnte verschiedene gründe haben. beispielsweise angst. nehmen wir allerdings mal an, dass es eher ein positiv besetztes empfinden ist und eine zuneigung zu dieser person vorhanden ist. erinnern wir uns nun an die unzähligen liebes_songs, die irgendwas mit „my heart beats faster“ zum inhalt haben und auch der rest des songtextes ZUFÄLLIG mit romantischen_liebes floskeln durchsetz ist. sowas wie „ich habe mein ganzes leben nur auf dich gewartet“, „ich kann nicht ohne dich leben“, „ich habe noch nie vorher so für einen menschen gefühlt“. wenn das herz schneller schlägt, dann schwupps, kann ich dank der musik_texte mein empfinden einordnen. es muss „liebe“ sein oder zumindest verliebtheit! diese songtexte sind von gesellschaftlichen hetero_liebesnormen durchdrungen und ständig ist eine diesen songs ausgesetzt!

eine befreudete musikerin schrieb mir letztens in einer mail, dass ihre songs häufig als liebessongs interpretiert würden, obwohl sie eigentlich gar nicht von romantischer paar_liebe handeln. „du“, „dir“, „dich“ in vielen unterschiedlichen kontexten in songs zu benutzen kann ja erstmal alles mögliche bedeuten. eigentlich. aber auch die lesart von songs ist nicht von hetero_liebes_zweier_paar_normativen interpretationen befreit.

das heißt musik trägt dazu bei dominante vorstellungen von liebe zu_erzeugen_ver_festigen. gleichzeitig werden songs zum großteil gemäß dominanter vorstellungen von liebe gedeutet. es ist also ein ineinandergreifen von beidem.

das heißt aber auch, dass widerstand, kritik oder bedeutungsverschiebungen – ob nun bewusst oder nicht – auf beiden ebenen ansetzen können. ich kann songtexte schreiben oder bestehende songtexte so verändern, dass sie mit dominanten ideen von liebe brechen. ich kann – und das passiert ja ohnehin, da unsere lebensrealitäten und sozialen positionen unterschiedlich sind – bestehende songtexte verschieden deuten, so dass sie für mich und mein leben_begehren sinn ergeben. jedoch funktioniert auch das häufig nicht. dann halte ich mir die ohren zu oder drehe den volumeregler auf 0, weil ich enttäuscht, wütend oder frustriert bin.

manchmal bin ich traurig, dass ich keine oder kaum songs über freund_innenschaft finde_kenne. oder dass es keine songs darüber gibt, wie schön, emotional und bedeutsam es ist eine konstante bandbeziehung zu haben. oder wie es wehtut, wenn eine musik_freundin die band verlässt oder sich die band trennt. und wo sind eigentlich die songs über visionen des gemeisam lebens mit vielen lieben freund_innen, feministischen erholungszentren, gegenseitiger fürsorge und verantwortung, selbstgewählten netzwerken über die bürgerliche kleinfamilie hinaus?

ausgangspunkt unserer überlegungen ist auch, dass zweier_paar_liebes_beziehung_en so häufig (neben erwerbsarbeit) ein zentraler stellenwert im leben zugeschrieben wird, für uns aber musik_machen in vielfältiger form diese rolle einnimmt. es geht um freund_innenschaft und darum bandkostellationen als mögliche konstante liebes_beziehung zu denken. es geht um netzwerke und solidarität, alternativen des zusammenlebens, visionen des gemeisamen lebens mit musiker_innen, künstler_innen, politischen aktivist_innnen, freund_innen. w_orte im leben zu finden, in songtexten_romanen_gedichten vorzukommen und anderen ermöglichen sich in diesen w_orten wiederzufinden.
* die begriffe frauisiert und typisiert verwende ich im text anstelle von ‚frau‘ und ‚mann‘ um deutlich zu machen, dass diese kategorien nicht etwas benennen, was schon immer-so-da war und immer-so-da-sein-wird, sondern dass es prozesse der permanenten herstellung und stabilisierung sind, die ‚frau‘ und ‚mann‘ erzeugen und vorstellungen darüber aufrechterhalten. ich beziehe mich in meinem schreiben auf konzepte und ideen aus dem buch „feminismus schreiben lernen“ vom ak feministische sprachpraxis. der unterstrich ermöglicht mir mein denken_schreiben zu verändern, scheinbar abgrenzbare kategorien wie denken_fühlen zu hinterfragen und normen, die sich gegenseitig stabilisieren und miteinander zusammenhängen beschreibbar zu machen, wie bei romantische_zweier_paar_hetero_sex_liebes_beziehungen zum beispiel.

„send their love to me“ – feminismus song_schreiben lernen, part I

dass 99,99% aller liebeslieder hetero_normativ sind, regt uns auf. wir fühlen uns davon nicht
angesprochen. lebens- und liebesrealitäten jenseits der heteronorm werden unsichtbar gemacht, während HETERO immer wieder als einzig erstrebenswerte lebensform propagiert wird ohne diese norm je zu benennen oder zu hinterfragen.

da wir sowohl hetero als auch hetero_zweier_liebeskonzepte inf_RAGE stellen, möchten wir musik hören_machen, die unseren wünschen und vorstellungen sowie unserer kritik gerecht wird.
eine praxis, diese immer wiederkehrenden hetero_zweier_liebes_strukturen aufzubrechen, ist das UMSCHREIBEN bereits vorhandener lovesongs.

wie liest sich z. b. ein songtext, in dem jedes „man“ durch ein „BUTCH“ (butch-lesbe) ersetzt wird? wie hört sich der song an, wenn die sprechposition ihrer heterosexualität enthoben wird und die angesprochene person von ihrem heterodasein befreit wird?

„when i wake up, well i know i’m gonna be
i’m gonna be the butch who wakes up next to you
when i go out, yeah i know i’m gonna be
i’m gonna be the butch who goes along with you
if i get drunk, well i know i’m gonna be
i’m gonna be the butch who gets drunk next to you
and if i haver, hey i know i’m gonna be
i’m gonna be the butch who’s havering to you“
(nach der typenband the proclaimers, 500 miles)

viele bands ändern beim covern von songs das original-pronomen, um in der coverversion die eigene heteroposition zu betonen. aus einem guns n roses song „i used to love her“ wird dann schnell ein heteronormatives „i used to love him“, sobald eine frauisierte es singt. dabei kann das ersetzen von pronomen so viel produktiver sein.
ersetze z. b. jedes „he“ oder „she“ durch das geschlechtsneutrale „they“. im englischen kann dieses „singular they“ verwendet werden, um das geschlecht der angesprochenen person unbestimmt zu lassen oder auch um gezielt menschen anzusprechen, die sich nicht in die heteronormative zweigeschlechterbinarität einordnen (lassen) wollen_können. wie würde sich z. b. pj harveys „send his love to me“ anhören?

„oh, wind and rain they haunt me
look to the north and pray
send me, please, their kisses
send them home today

i’m begging, jesus, please
send their love to me“

in diesem fall ist interessant, wie mithilfe des ersetzens aller männlichen pronomen durch „they“, welches im song(kon)text nicht näher bestimmt wird, teile des songs auch entsexualisiert und entromantisiert gelesen_gehört werden können. pj könnte im refrain also auch von freund_innen singen. die grenze zwischen singular und plural wird verwischt, die hetero_zweier_paar_sehnsucht_romantik wird zerschmettert.

das austauschen einzelner schlüsselwörter ist eine produktive praxis, wenn es darum geht, romantisch_sehnsüchtige hetensongs umzuchreiben. der subversiven kreativität sind keine grenzen gesetzt. ein liebeslied kann zu einem hasslied werden, ein sexualisiertes liebeslied kann a_romantischen bedürfnissen angepasst werden. der ständig durch musik propagierten (zwangs)heterosexualität kann auf vielfältige art und weise der spiegel vorgehalten werden. das tolle an vielen songs ist, dass sie imgrunde viele leerstellen haben und viel interpretationsraum schaffen. warum also nicht diese leerstellen als räume jenseits der heteromatrix beanspruchen?

beim umschreiben und performen von songs/songtexten ist es allerdings wichtig, über die eigene sprecher_innenposition nachzudenken und zu überlegen: was will ich kritisieren? wo profitiere ich möglicherweise von heteronormativen strukturen und wo nicht? eigene ich mir widerständige praxen an und handle damit nicht gerade verantwortungsvoll_kritisch?

wir schlagen außerdem vor, songs zu schreiben, die gar nichts mit romantischer zweier_liebe zu tun haben. liebe wird nämlich oft überbewertet. freut euch also auf weitere teile der reihe „feminismus song_schreiben lernen“.

make music not love

wir lieben musik, feminismus und macker-bashing. und wir wollen romantische_zweier_hetero_paar_beziehungs_liebes_normen in frage stellen.

warum handeln so viele songs von liebe? welche verständnisse von liebe kommen in songtexten zum ausdruck? wie tragen diese songs zu unseren vorstellungen von liebe, sexualität, begehren, beziehung_en bei? warum werden songs als romantische zweier_hetero_paar_liebessongs interpretiert, obwohl die musiker_in dies eigentlich gar nicht im sinn hatte?

wir wollen uns kritisch damit auseinandersetzen, wie musik liebe macht und wie musik_liebe_macht miteinander verbunden sind. welche musiker_innen stellen sich gegen normen rund um liebe_beziehungen_hetero_sexualität? welche songtexte_perfomances_artikel_bücher_gedichte_ bilder_gedanken finden wir spannend und möchten sie miteinander teilen?

ausgangspunkt unserer überlegungen ist, dass zweier_paar_liebes_beziehung_en so häufig (neben erwerbsarbeit) ein zentraler stellenwert im leben zugeschrieben wird, für uns aber musik_machen in vielfältiger form diese rolle einnimmt. es geht um freund_innenschaft und darum bandkostellationen als mögliche konstante liebes_beziehung zu denken. es geht um netzwerke und solidarität, alternativen des zusammenlebens, visionen des gemeisamen lebens mit musiker_innen, künstler_innen, politischen aktivist_innnen, freund_innen. w_orte im leben zu finden, in songtexten_romanen_gedichten vorzukommen und anderen ermöglichen sich in diesen w_orten wiederzufinden.

wenn in unseren make-music-not-love-texten von „wir“ die rede ist, stehen dahinter personen, die heteronormativität kritisieren, in frage stellen, innerhalb eines heteronormativen sytsems diskriminiert, aber teilweise auch privilegiert sind. in welchen kontexten das wie der fall ist und was sich daraus für kritische handlungen ableiten, muss gegenstand ständiger reflexion sein.